Bowling entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika als Variante des Kegelns. Wie’s geht – und wie nicht, zeigt ein Selbstversuch.

Am Anfang steht ein fester Händedruck. Für Richard Griesinger ist das mehr als eine Höflichkeitsgeste, um Hallo zu sagen. Er testet damit gleichzeitig, ob ich eher zart oder stark besaitet bin. Ein Indiz, welches Ballgewicht für mich am besten in Frage kommt. Ich bin zu Besuch im Bowling-Center in der Jüdemer Straße in Trier. Letztmals habe ich vor gefühlt 20 Jahren die weißen Pins ins Visier genommen. Ob noch ein bisschen Können vorhanden ist?
Griesinger ist ein Ur-Trierer, 59 Jahre alt. Für den lizenzierten Trainer ist Bowling die „Kunst, die Bahn und sich zu beherrschen“. Ein Präzisionssport, bei dem es darum geht, mit einem durchaus schweren Ball die in rund 19 Meter Entfernung stehenden zehn Pins mit möglichst nur einem Wurf abzuräumen.

Ich darf mein Unwesen auf der äußersten Bahn treiben. Da störe ich am wenigsten. An diesem Abend ist Spieltag der sogenannten Trier-Liga – organisiert vom Bowlingverein (BV) Trier und dem Bowling-Center. Dreier-Teams spielen zwischen September und April gegeneinander, um den Stadtmeister zu ermitteln.
17 aktive und 13 inaktive Mitglieder zählt der 1982 gegründete BV Trier. „In der Region hat das Kegeln eine größere Tradition“, sagt BV-Gründungsmitglied Griesinger, der mit kurzer Unterbrechung dem Verein seit Beginn vorsteht. Wer Bowling ambitioniert betreiben will, müsse tiefer in die Tasche greifen als beim Kegeln. Bowlingschuhe für Einsteiger kosten 50 bis 60 Euro, für Fortgeschrittene würden 220 bis 250 Euro anfallen. Die Preise für Bälle lägen im Schnitt zwischen 100 und 270 Euro. Griesinger: „Freizeit- und Hobbyspieler an einen Verein zu binden, ist schwierig. Dabei ist Bowling aus meiner Sicht genauso interessant wie Kegeln.“ 

Schau‘n mer mal! Zunächst geht’s also ums richtige Schuhwerk. Denn mit Straßenschuhen hat man auf der Bowlingbahn nichts verloren. Stattdessen gibt es Bowlingschuhe.

Für Anfänger haben deren Sohlen keinen besonderen Schnickschnack. Bei Fortgeschrittenen sieht das schon anders aus. Da gibt’s einen Gleitschuh für den einen Fuß – mit einer entsprechend glatten Sohle – und einen Bremsschuh für den anderen Fuß, der geriffeltes Material drunter hat.

Die Schuhe sind gewechselt. Es kann losgehen. Aber wie? Zunächst muss der richtige Anlauf ermittelt werden, um mit Schwung den Ball auf die Bahn loszulassen.

Um den für sich passenden Anlauf zu ermitteln, rät Griesinger, von einer Markierung am Bahnanfang viereinhalb normale Schritte zurück zu gehen. Dann gilt’s, die Mitte der Bahn unter die Füße zu nehmen. Auch hierfür dienen Markierungen als Anhaltspunkt. Anfänger sollten den vordersten der in einem Dreieck angeordneten Pins anvisieren. Entscheidend ist ein runder Bewegungsablauf. „Das ist Gewöhnungssache“, sagt Griesinger.

 

Video: So funktioniert beim Bowling der Anlauf     https://youtu.be/NCE6Y_f9mwE

 

Die Auswahl an Bällen ist groß – nicht nur in puncto Farben, sondern auch Gewicht.

Griesinger rät mir zu einem Sechs-Kilo-Ball. Der Handschlag hat gezeigt, dass ich kein Kraftprotz bin. Der Mittel- und der Ringfinger verschwinden in den eng nebeneinander liegenden Löchern, der Daumen wandert ins darunter liegende Loch. Für schwerwiegendere Verletzungen ist Bowling nicht bekannt. Griesinger: „Ich habe es noch nicht erlebt, dass Finger in den Bällen stecken geblieben sind.“